Uhrenlesen leicht gemacht

6. Juli 2026

Mit einem strukturierten Schulalltag und wöchentlichen Freizeitaktivitäten halten zeitliche Absprachen und verabredete Termine immer mehr Einzug in das Leben der Kinder:

Der Schulbus kommt um 7:20 Uhr, die Schule beginnt um 8.00 Uhr, Zahnarzttermin um 15.00 Uhr. Das Leben wird getaktet. Das Wissen um die Uhrzeit trägt auch dazu bei, selbstständiger zu werden. Wann muss ich wo sein? Wie lange brauche ich wofür? Kann mein Freund oder meine Freundin zwischen Schule und Arzttermin noch zum Spielen kommen?

In der Schule werden Uhr und Uhrzeit schrittweise besprochen. In der ersten Klasse stehen meist nur volle Stunden im Fokus. In kleinen Aufgaben werden Zeitspannen berechnet. Trotzdem lohnt es sich auch zu Hause, immer wieder gemeinsam einen Blick auf Uhren zu werfen, ein Zeitgefühl zu entwickeln und das Ablesen der Uhrzeit zu üben. Hier ein paar Ideen:

Die Uhr und die liebe Zeit

Eine natürliche Neugierde können Sie fördern, indem Sie mit Ihrem Kind einmal nach Uhren im Umfeld suchen. Es gibt sie schließlich überall: Armbanduhr, Kirchturmuhr, Wecker, Handy, Backofenuhr, Bahnhofsuhr … digitale Uhren, analoge Uhren mit oder ohne Ziffern. Da gibt es einiges zu entdecken.

In diesem Zusammenhang können Sie mit Ihrem Kind auch der Frage nachspüren, wozu wir eigentlich Uhren brauchen oder wo wir Zeiten einhalten müssen. Was wäre ein Leben ohne Uhr?

Im Alltag können Sie aber auch Begriffe zu Zeitspannen einfließen lassen: Sätze wie „In 10 Minuten gehen wir auf den Spielplatz.“ oder „In 15 Minuten gibt es Essen.“ oder „In einer Minute müssen wir los!“ helfen den Kindern, ein Gespür für zeitliche Abstände zu gewinnen, selbst wenn sie die Uhr noch nicht (sicher) lesen können. Bestimmt macht es auch Spaß, einmal zu schätzen, wie lang eine Minute dauert. Die Stoppuhr im Handy ist unbestechlich. Wer von der Familie ist am nächsten dran?

Bild: AdobeStock/Elnur

Selbstverständlich können Sie auch analytischer mit Ihrem Kind eine Uhr betrachten: das Ziffernblatt mit Zahlen und Strichen, das Wandern des Sekunden-, Minuten- und Stundenzeigers im jeweils eigenen Rhythmus, den Zusammenhang zwischen Tageszeit und Uhrzeit – in groben Zügen.

Hat Ihr Kind die Grundlagen verinnerlicht, können Sie das Ablesen von Uhrzeiten trainieren. Hierfür eignen sich selbstgebastelte Uhren. Schon beim Basteln wird geübt, nicht nur visuell, sondern auch haptisch. Unter dem Newsletter-Link finden Sie eine Vorlage für einer Lernuhr.

Der kleine Zeiger: volle Stunden

Beginnen Sie am besten mit den vollen Stunden. Der Minutenzeiger ruht und nur der Stundenzeiger bewegt sich. Beschränken Sie sich vorerst auf das 12-Stunden-System, um Ihr Kind nicht zu überfordern. Achten Sie darauf, den Begriff „Uhr“ bei den Uhrzeiten immer mitzusprechen, um mögliche Verwirrungen zu vermeiden („Es ist 5 Uhr.“ statt „Es ist 5.“).

Im nächsten Schritt können Sie Ihrem Kind Uhrzeiten nennen, die es nun selbst einstellen darf. Das aktive Bewegen der Zeiger hilft noch einmal, das System besser nachvollziehen zu können. Natürlich darf ebenfalls Ihr Kind Sie abfragen.

Bild: AdobeStock/nutcha11

Zeichnen Sie doch einmal mit dem Finger Ihrem Kind eine Uhr auf den Rücken. Kann es die Uhrzeit erraten?

Auch ein Reim kann eine nette Übung sein. Das Kind stellt passend zum Text die Uhr ein.

Morgens früh um sechs
Kommt die kleine Hex‘

Morgens früh um sieben
Schabt sie gelbe Rüben

Morgens früh um acht
Wird Kaffee gemacht

Morgens früh um neun
Geht sie in die Scheun‘

Morgens früh um zehn
Holt sie Holz und Spän‘

Feuert an um elf
Kocht dann bis um zwölf

Fröschebein und Krebs und Fisch
Hurtig Kinder, kommt zu Tisch!

Weitere Ideen: Denken Sie sich selbst Alltagsgeschichten aus, zu denen die Uhrzeit eingestellt werden soll.
Oder: Nennen Sie z. B. folgende Aufträge: „Finde eine Uhrzeit, die zum Nachmittag passt.“ oder „Stell die Uhr so ein, wie sie bei unserem Abendessen steht.“

Der große Zeiger: halbe Stunden und Viertelstunden

Sobald Ihr Kind in der Lage ist, volle Stunden zu benennen, können Sie den Schwierigkeitsgrad etwas anheben und ihm das Prinzip des großen Zeigers erklären. Am besten beginnen Sie hier mit der halben Stunde. Der Minutenzeiger wandert von der 12 zur 6, auch der Stundenzeiger bewegt sich. Die Fixzahl 6 sollte dabei verinnerlicht und klar mit „halb“ verknüpft werden. Auch den Bezug bei der Sprechweise auf die kommende volle Stunde, also 4:30 Uhr = halb fünf, nicht halb 4, sollte immer wieder geübt werden. Analog mit den Zahlen 3 und 9 können die Viertelstunden besprochen werden – dafür sollten aber die halben Stunden sicher verstanden sein. Minutengenaues Ablesen von Uhrzeiten bedarf schon ein fortgeschrittenes Verständnis. Fordern Sie Ihr Kind hier nicht zu früh.

Wenn die Grundzüge soweit klar sind, geben Sie Ihrem Kind doch einmal eine Armbanduhr zum Spielen mit. Es soll in einer Stunde zurück sein oder um sechs Uhr.

Bild: AdobeStock/Evgeniia Primavera

Zeitabstände

Gerade zu Zeitabständen finden sich im Alltag einfach passende Aufgaben. So können Sie kleine Fragen stellen: „In 15 Minuten müssen wir zur Schule. Um wie viel Uhr müssen wir los?“ oder „Jetzt ist es 11:30 Uhr. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen. Wie viele Minuten dauert es noch?“

Gerade wenn Ihr Kind bemerkt, wie nützlich das Wissen um die Uhrzeit auch im Alltag ist, wird es bestimmt noch motivierter sein, das Uhrenlesen zu meistern.

Lassen Sie Ihrem Kind ruhig Zeit, die Uhr lesen zu lernen. Das ist wirklich nicht so einfach. Kurze Übungen im Alltag sind oft besser als verbissenes Pauken. In den weiteren Grundschuljahren wird die Uhr auch immer wieder Thema sein und die Kinder begleiten, sodass hier noch oft wiederholt wird.

Nun viel Freude mit der Basteluhr!

Das könnte Sie auch interessieren:

Alle für Eine:n

Alle für Eine:n

Unter den Begriff "soziale Kompetenz" fallen vielseitige Aspekte der Persönlichkeit eines Menschen, wie z.B. Empathie, Selbstbewusstsein,...

mehr lesen