Die Welt der Laute und Buchstaben

17. Juni 2021

„Mama, Papa, was steht denn da?“ Vielleicht haben Sie diese Frage auch schon einmal von Ihrem Kind gehört, das ratlos ein Wort oder einen Text betrachtet. Manche Kinder kennen vor Schuleintritt schon einige Buchstaben, die meisten können ihren eigenen Namen schreiben. Ein systematisches Lesenlernen ist in der Vorschule aber nicht nötig – dafür ist die erste Klasse da. Trotzdem können Sie im Alltag spielerisch die Motivation der Kinder, Buchstaben und Laute kennenzulernen, gut aufgreifen.

Vorlesen, Lesen lernen, Lesen
Bild: iStock/nd3000

Reime sind den meisten Kindern bereits von frühester Kindheit an vertraut. Bei Reimwörtern verändert sich oft nur ein einzelner Laut: dies wahrzunehmen und unterscheiden zu können, spielt auch beim Lesen und Schreiben eine wichtige Rolle.

Bei einem Zauberspiel kann Ihr Kind seine Reimfähigkeiten unter Beweis stellen. Verteilen Sie verschiedene Gegenstände, wie Spielzeuge oder Spieltiere, auf dem Tisch. Wer an der Reihe ist, beginnt einen Zauberspruch aufzusagen: „Eene, meene Tisch, ich schnappe mir den Fisch“. Die Fischfigur darf dann eingesammelt werden. Der nächste Spieler oder die nächste Spielerin muss den Zauberspruch nun so abwandeln, dass er auf einen weiteren Gegenstand zutrifft. Dabei ist es auch erlaubt, Kunstwörter zu erfinden. Letztlich kommt es nur darauf an, dass sich die Wörter reimen: z. B. „Eene, meene Surmel, ich schnappe mir die Murmel!“

Viele Reime oder Abzählverse sind so aufgebaut, dass sie eine Silbensprechweise vorgeben. Das Schreiben und Lesen in Silben stellt in der Schule eine große Hilfe beim Schriftspracherwerb dar.

Um das Silbensprechen vorab zu üben, können Sie mit Ihrem Kind das Silbenklatschen zum eigenen Namen bzw. Namen der Familienmitglieder oder Freunde einführen (An-na-bell, Jo-na-than). So bekommt Ihr Kind ein erstes Gespür für die Silbentrennung und damit für die Gliederung der Wörter.

Beim Vergleichen von Anlauten lernt Ihr Kind zu unterscheiden, ob Wörter mit dem gleichen Buchstaben beginnen oder nicht. Dadurch erhält es eine erste Vorstellung davon, was ein Laut ist, wie er dargestellt werden kann und welche Funktion bestimmte Buchstabenzeichen erfüllen. Wenn Sie mit Ihrem Kind über Laute, also gesprochene Buchstaben, reden, ist es wichtig, diese ohne begleitende Vokale zu benennen, also b, d, f, h, k und nicht be, de, ef, ha oder ka.

  • Nebenbei können Sie mit Ihrem Kind z. B. in der Küche üben: Das Messer beginnt mit M, die Gabel beginnt mit G, der Löffel beginnt mit L …
  • Auch das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ lässt sich leicht abwandeln, in dem Sie es um den Zusatz „…es fängt mit m/sch/a etc.“ ergänzen: z. B. Messer, Malblock, Schere, Schal, Apfel, Armband etc.

Alle Ideen sollen Ihr Kind aber nicht überfordern, manche Kinder brauchen noch ein bisschen Zeit, bis sie Freude an den Buchstaben finden. Einer der besten Tipps ist unserer Meinung nach das Vorlesen: Lassen Sie Ihr Kind mit ins Buch schauen, betrachten Sie gemeinsam den Text und fahren Sie beim Lesen mit dem Finger die Wörter entlang. Auch das kann schon die Neugierde wecken, besonders, wenn Sie an einer spannenden Stelle die Geschichte für diesen Tag unterbrechen …😉

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