Bitte mit Gefühl!

20. September 2021

Unsere Gefühle beeinflussen grundlegend, wie wir die Welt und die Menschen um uns herum
wahrnehmen. Sie sind der Motivator hinter unseren Handlungen und prägen unseren Umgang mit und unsere Beziehungen zu anderen Personen. Eine stark entwickelte emotionale Kompetenz sorgt nicht nur für ein glückliches Privatleben, sondern erhöht ebenfalls die Chancen, im Arbeitsleben erfolgreich zu sein. Nicht umsonst wird sie als Soft Skill auch von Unternehmen immer öfter gefordert.

Gefühle, Emotionale Intelligenz, Emotionale Kompetenz, Laune
Bild: AdobeStock/bramgino

Da sie entscheidend dafür ist, wie wir uns anderen Menschen gegenüber verhalten, ist sie eng mit der sozialen Kompetenz verwoben. Diese wird in unterschiedlichen Interaktionen mit unseren Mitmenschen geschult, die Entwicklung der emotionalen Kompetenz beginnt hingegen praktisch direkt nach der Geburt (oder sogar davor) und formt sich immer weiter. Die Fähigkeit, die erlebten Emotionen richtig zuordnen und verarbeiten zu können, festigt sich bereits in einem Alter von 4 bis 5 Jahren. Daher sind Kindergarten und Vorschule wesentliche Stationen auf dem Weg zu einer ausgeprägten emotionalen und sozialen Intelligenz. Im Umgang mit Gleichaltrigen erwerben Kinder die Fähigkeit, die eigenen Empfindungen zu benennen und zu regulieren. Beim gemeinsamen Spielen mit anderen Kindern lernen sie, sich in ihre Mitmenschen hineinzuversetzen. Dadurch können sie Gefühle und auch Reaktionen der Umwelt besser einschätzen. Dieses Einfühlungsvermögen macht es ihnen möglich, erste richtige Freundschaften zu knüpfen – und auch in Konfliktsituationen ist es von großer Hilfe. Streitigkeiten tauchen im Vorschulalltag immer wieder auf und zwingen die Kinder, nach Lösungen zu suchen, die negativen Gefühle zu verarbeiten, die Gegenseite zu verstehen und Kompromisse zu finden.

Langeweile, Pause, Kinder, Spielen
Bild: iStock/Nadezhda1906

Natürlich spielt das Familienleben ebenfalls eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der emotionalen Kompetenz. Eine konsequente und beständige Erziehung gibt Ihrem Kind Halt und verhilft ihm so zu einem starken Selbstbewusstsein und einer stabilen Gefühlswelt.

Kinder, die einen selbstverständlichen Umgang mit ihren Gefühlen und den Emotionen ihrer Umwelt erlernt haben, werden auch als Erwachsene stabilere Beziehungen aufbauen können und selbstbewusst durchs Leben gehen. Sie können Aktionen und Reaktionen ihrer Mitmenschen besser deuten und darauf eingehen und sind in der Lage, ihre eigenen Gefühle zu regulieren. Daher ist es förderlich, den Kindern einen positiven Umgang mit Gefühlen – ob guten oder schlechten – zu vermitteln. Es hilft, wenn die Familienmitglieder offen mit ihren Emotionen umgehen und auch Raum lassen für negative Gefühle. Den Kindern sollte vermittelt werden, dass es nicht falsch ist, diese zum Ausdruck zu bringen, statt sie zu unterdrücken. So lernen sie, dass jede Person auch mit unangenehmen Emotionen zu kämpfen hat, diese nichts Schlimmes sind und – ganz wichtig – sie wieder vorüberziehen. Kinder aus Familien, in denen offen über Empfindungen gesprochen werden kann, lernen sich und ihre Gefühlswelt besser kennen und können so leichter Lösungen finden, mit Trauer, Wut, Angst, Frustration usw. umzugehen. Auch zeigen sie mehr Bereitschaft, positive Momente mit ihren Mitmenschen zu teilen und auf andere einzugehen.

Grübelndes Kind, Fragen, Kinderfragen
Bild: iStock/JNemchinova

Sie können Ihrem Kind dabei helfen, Strategien und Lösungen zu finden, um die negativen Gefühle zu vertreiben. Sie können miteinander reden und genauer nachfragen, woher der Ärger, die Enttäuschung oder der Frust kommen, oder gemeinsam ein Bild malen, das die Gefühle ausdrückt. Eine Möglichkeit wäre auch, mit Ihrem Kind spazieren zu gehen und Steine zu sammeln. Erklären Sie ihm, dass sie für die Trauer, Wut, Enttäuschung usw. stehen, die es gerade empfindet. Lassen Sie es dann nach und nach die Steine in einen Fluss oder See werfen, damit es symbolisch seine Last loswird. Alternativ kann Ihr Kind Ihnen auch erzählen, was es bedrückt, Sie schreiben es auf einen Zettel und anschließend kann es den Zettel zerreißen oder Sie können ihn gemeinsam verbrennen. Vielleicht lässt sich auch mal ein Schiffchen aus Holz oder Papier basteln, das man mit einem brennenden Teelicht (ohne die Aluschale) und seinen Sorgen auf einem Fluss auf den Weg schickt.

Selbst wenn ein offener Umgang mit der kompletten Bandbreite der Gefühlswelt für Kinder eine wertvolle Lektion ist, so hilft es ihnen besonders, selbstbewusst und vertrauensvoll auf sich zu blicken und auf die Mitmenschen zuzugehen, wenn im Familienalltag viele positive Emotionen vorgelebt werden. Kinder, deren Eltern häufig Begriffe aus der Welt der Gefühle verwenden, sind zusätzlich emotional gefestigter.

Eine gute Möglichkeit Ihrem Kind einen aufmerksamen Blick auf Gefühle zu vermitteln, ist es, wenn Sie erlebte emotionale Ereignisse noch einmal gemeinsam Revue passieren lassen. Dies hilft den Kindern, in sich zu horchen und die eigenen Empfindungen zu verstehen, aber auch die Stimmung der Mitmenschen besser zu erkennen und einordnen zu können. Überlegen Sie gemeinsam: „Was ist passiert?“, „Wie habe ich mich dabei gefühlt?“, „Wie ist es den Mitmenschen ergangen?“, „Was war besonders schön und was hat mir nicht gefallen?“ oder „Was hat mir Angst gemacht und konnte ich die Angst überwinden?“. Vielleicht fällt es Ihrem Kind anfänglich noch schwer, sich zurückzunehmen und die eigenen Wünsche zurückzustellen. In einigen Konfliktsituationen kann noch die Einsicht fehlen, Kompromisse einzugehen und damit die eigenen Bedürfnisse zu übergehen. Für manche Kinder ist der Umgang mit Gleichaltrigen noch eine Herausforderung und sie reagieren schüchtern. Dies ist ganz normal, schließlich formt sich die emotionale Kompetenz erst. Wenn das Kind die Möglichkeit hat, sich über Sorgen und Ängste, aber auch Freude und Wünsche, mit seinen Eltern auszutauschen und es lernt, die Gefühle zuzulassen, hat es aber mit Sicherheit alles in der Hand, um eine ausgeprägte emotionale Intelligenz zu entwickeln.

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